Durch Erhöhung der Einnahmen und durch Senkung der Ausgaben kann man den Gemeindehaushalt mit hoher Wahrscheinlichkeit dauerhaft sanieren. In dieser dritten Frage geht es ausschließlich um die Senkung der Ausgaben. Seit mehreren Jahren wird immer wieder in politischen Kreisen auf zwei Kultureinrichtungen geschaut, wenn man über Möglichkeiten des Sparens redet. Stellen Sie sich einmal vor, Sie dürften ganz allein über das Sparen in der Gemeinde Schermbeck entscheiden. Würde es dann in sechs Jahren noch die Kommunalbücherei und die Kulturstube (= ehemalige reformierte Kirche) geben?

 

Liebe Schermbeckerinnen und Schermbecker,

diese Frage ist meinem persönlichen und politischen Verständnis nach nicht allein durch mich zu beantworten. Ich bin ein Teamplayer, der der Ansicht ist, dass Entscheidungen mit weitreichenden Konsequenzen immer nur dann Akzeptanz finden, wenn sie von einer breiten Mehrheit der Bürgerschaft mitgetragen werden.

Jeder Kämmerer einer zur Haushaltskonsolidierung verpflichteten Gemeinde würde wahrscheinlich die Reformierte Kirche und die Bücherei bei einem jährlichen Haushaltsdefizit von aktuell rund 3,5 Mio. € rein aus finanzieller Sicht schließen wollen.

Aber kann man es sich so einfach machen?

Gibt es evtl. andere Lösungsmöglichkeiten, die gleichzeitig der Gemeinde in ihrer finanziell schwierigen Situation helfen und das Kultur - und Bildungsangebot in einem vernünftigen Maß erhalten?

Ich habe mir über solche Alternativen Gedanken gemacht.

Wussten Sie, dass sich das Land NRW mit enormen Zuschüssen am Umbau/Bau der Reformierten Kirche und der Bücherei beteiligt hat und die Gemeinde Schermbeck nicht frei über die Nutzung der Gebäude entscheiden darf?

Dies gilt für die Bücherei noch bis zum Jahr 2018, für die reformierte Kirche ist diese Bindung nun abgelaufen.

Die Beantwortung der Frage: Wird es in 6 Jahren noch die Reformierte Kirche und die Bücherei in Schermbeck geben, müsste meiner Ansicht nach durch eine Zwischenfrage ergänzt werden.

Wie kann man die reformierte Kirche bis zu einer möglichen Gesamtlösung im Jahr 2018 für Schermbeck kulturell erhalten?

Natürlich ist es richtig und notwendig, die Ausgaben einer Gemeinde im Hinblick auf die Sanierung des gemeindlichen Haushaltes zu betrachten. Natürlich wird eine Bücherei, genauso wenig ein Baudenkmal wie die reformierte Kirche, jemals kostenneutral betrieben werden können!

Aber gibt es nicht andere Lösungsansätze, die helfen den Zuschuss zu verringern und damit den gemeindlichen Haushalt zu entlasten?

Grundsätzlich gilt: Was einmal verkauft und abgeschafft worden ist, hat man für immer verloren.

Ich habe weder die Absicht die Reformierte Kirche zu verkaufen, noch will ich das Büchereiangebot in Schermbeck aufgeben!

Reformierte Kirche

Die Kirche ist ein Kleinod der Gemeinde und eines der geschichtsträchtigsten Gebäude Schermbecks. Viele Schermbecker bezeichnen sie als das Wohnzimmer der Gemeinde. Gebaut in der Zeit um 1785 ist sie eines der ältesten Gebäude Schermbecks. Ab 1915 wurde sie als Schulgebäude, später als Gemeindehaus, als Notkirche nach dem Krieg und von 1956 bis 1996 als Gemeindebücherei genutzt. Heute dient sie vereinzelt der Kulturstiftung als Veranstaltungsort und dem Frauenchor, Bella Musica als Proberaum.

Mehr findet dort nicht statt werden Sie sich fragen? Nein, mehr findet dort nicht statt!

Und hier setzen meine Überlegungen in einem ersten Schritt an.

Die Reformierte Kirche war schon immer ein Ort der Begegnung für Jung und Alt. Kann sie nicht wieder zu einem solchen Ort der Begegnung und vielschichtiger zum Wohle aller Schermbecker genutzt werden? Der Charme des alten Gebäudes „schreit“ geradezu danach.

Ein Beispiel:

Durch die „Öffnung“ der Reformierten Kirche könnten dort in einem feierlichen Rahmen standesamtliche Hochzeiten stattfinden und das Angebot der kirchlichen Trauung im Ort ergänzen. Die zusätzlichen Einnahmen, die sich hier erzielen lassen, helfen, die Reformierte Kirche für Schermbeck zu erhalten.

Oder, kann eine Partnerschaft mit einem privaten Träger zu einer besseren Auslastung und damit zu einer deutlichen finanziellen Entlastung beitragen?

Mir und Ihnen sicherlich auch, fallen noch einige andere Ansätze zur Attraktivitätssteigerung ein ! Lassen Sie uns die Reformierte Kirche mit kulturellem Leben füllen.

Packen wir es an!

Bücherei

Warum gibt es heute in Zeiten des Internets noch Büchereien? Brauchen wir sie überhaupt noch?

Müssen wir uns nicht zuerst mit dieser alles entscheidenden Frage beschäftigen, um am Ende entscheiden zu können, ob wir uns als Gemeinde Schermbeck eine Bücherei in der Zukunft noch leisten wollen?

Eines ist klar, liebe Schermbeckerinnen und Schermbecker, Bildung & Kultur kosten Geld, Ihr Geld! Sind Sie bereit dieses Geld aufzubringen?

Seien wir ehrlich, wer von uns hat in den letzten 12 Monaten das Angebot der Bücherei genutzt? Was machen ihre Kinder und Enkel um sich Informationen für die Schularbeit zu besorgen, oder sich über Sachthemen zu informieren? Man nutzt das Internet? Leiht man sich heutzutage nicht eher Unterhaltungsliteratur aus? Sie sehen, die Nachfrage nach Medien hat sich verändert.

Die Bücherei dient heute weniger der Volksbildung. Sie steht heute mehr für Freizeitgestaltung. Das ist in Ordnung. Wir müssen diesem Wandel nur Rechnung tragen.

Ich bin mir sicher, dass bei näherer Betrachtung der Nutzerzahlen und des Nutzerverhaltens folgendes bestätigt wird:

  1. Nur noch ein geringer Prozentsatz der Schermbeckerinnen und Schermbecker nutzt das Angebot der heutigen Bücherei, den Einnahmen nach nur ca. 3 % aller Schermbecker!
  2. Es wird heute vermehrt Unterhaltungsliteratur nachgefragt

Wie wird sich denn dann die Büchereilandschaft in 6 Jahren entwickelt haben, frage ich Sie? Wird Literatur dann vorrangig nur noch in Form eines elektronischen Angebotes (Bookreader, E-book) nachgefragt werden?

Liebe Schermbeckerinnen und Schermbecker, wir haben noch einige Jahre Zeit (2018), diese Entwicklung zu beobachten, um dann eine sachgerechte Entscheidung für Schermbeck treffen zu können.

Selbst wenn sich in Zukunft das Angebot hin zu digitalen Medien verändern wird, wird es wahrscheinlich „das Buch“ immer noch geben.

Die Frage die sich zukünftig stellen wird ist nicht, wird es die Bücherei in Schermbeck noch geben, sondern, wie wird das Büchereiangebot in Schermbeck aussehen und wo wollen wir es anbieten?

Könnte ein Lösungsansatz sein, die heute noch vorhandenen Büchereien der Kirche und der Gesamtschule sinnvoll zusammenzuführen?

Oder, warten Sie mal? War da nicht was?

Diente die Reformierte Kirche uns nicht schon einmal als Gemeindebücherei?

Wäre ein Trägervereinsmodell - ähnlich wie beim Hallenbad - auch für ein Büchereiangebot denkbar?

Sind diese Gedanken es nicht wert weiterverfolgt zu werden, bevor man über die Aufgabe von Kultur - und Bildungsangeboten nachdenkt?

Egal, wie wir uns entscheiden, Gewinner dieser Ideen sind wir alle, liebe Schermbeckerinnen und Schermbecker. Wir erhalten gemeinsam die Reformierte Kirche und sichern uns ein attraktives Büchereiangebot sparen Steuergelder, unser Geld!.

Ich freue mich auf die nächste Frage!

Ihr

Mike Rexforth