Die Menschen in Deutschland werden immer älter. Gleichzeitig werden immer weniger Kinder geboren als früher. Der Kindermangel schwächt die soziale Funktion der Familie.  Unsere Gesellschaft altert. Dieser Umstand wird heute mit dem Begriff „Demographischer Wandel“ beschrieben.

Bislang lebt die große Mehrheit der Menschen bis ins hohe Alter selbstbestimmt in privaten Haushalten.

Ich denke, diesen Wunsch in ihren eigenen 4 Wänden alt werden zu dürfen, werden Sie für sich ebenfalls äußern.

Das Pflegeheim soll der letzte Ausweg sein und nicht zur Regel werden!

Wussten Sie, dass der durchschnittliche Kostenaufwand (Hilfe zur Pflege und Pflegewohngeld) für einen Heimfall in Schermbeck bei ca. 21.500 € pro Jahr liegt.

Wer soll das bezahlen, frage ich Sie?

Heute gibt der Kreis Wesel neben den Leistungen der Pflegeversicherung allein 28,5 Mio. € für die Hilfen in Pflegeheimen aus. Im Jahr 2030 werden es ca. 85 Mio. € sein.

Und wer soll das dann noch bezahlen?

Erstmal Sie und zwar mit Ihrem Einkommen und Vermögen. Dann, wenn nichts mehr da ist, der Staat – hoffen Sie zumindest!

Ist das so ?

Ich sage Ihnen, um den Bedarf an Heimplätzen im Jahr 2030 zu befriedigen, muss ab sofort im Kreis Wesel alle 7 Monate ein Pflegeheim mit 80 Plätzen gebaut werden.

Schockiert Sie diese Zahl?

Ein hoher Anteil der Pflegefälle in Heimen ist auf schwerwiegende Erkrankungen (Demenz, Schwerstpflegebedürftigkeit, etc.) zurück zu führen. Aber, wäre nicht auch eine hohe Zahl an Pflegefällen in Heimen zu verhindern gewesen, wenn andere Mechanismen gegriffen hätten?

Und hier setze ich an:

Da wäre zuerst das eigene Wohnumfeld. Es muss überhaupt erst einmal geeignet sein, um im hohen Alter selbstbestimmt in den eigenen 4 Wänden leben zu können.

Schauen Sie sich ihre Wohnung heute mal etwas genauer an!

Wären ihre Türen breit genug, um mit Gehilfen (Rollator) oder Rollstuhl von einem Raum zum anderen zu kommen? Wie sieht Ihr Badezimmer aus? Haben Sie eine ebenerdige Dusche? Ist der Zugang zu Ihrer Wohnung barrierefrei möglich?

Viele von Ihnen werden diese Fragen, zumindest teilweise, mit nein beantworten.

Unser heutiger Wohnraum ist vielfach nicht senioren- und behindertengerecht ausgebaut.

Das muss sich ändern!

Als Bürgermeister würde ich zusammen mit der Politik darauf hinarbeiten:

  1. Einen Sanierungstopf im Haushalt der Gemeinde Schermbeck vorzusehen, der Bürgern einen finanziellen Anreiz zur Sanierung ihrer eigengenutzten Immobilie hin zu senioren- und behindertengerechtem Wohnraum gibt
  2. Kontakt mit den Hausverwaltungen und Großvermietern aufzunehmen, um für eine seniorengerechte Sanierung von Altbauwohnungen zu werben.
  3. Den Ausbau einer lokalen, trägerunabhängigen Beratungsstelle zum Wohnen im Alter vorantreiben

Diese unterstützt Sie u.a.:

  • seniorengerechte Wohnungen aufzufinden 
  • dabei Kontakte zu Fachleuten zu knüpfen, die bei der Umsetzung von senioren- und behindertengerechten Umbaumaßnahmen unabhängig beraten
  • finanzielle Förderungen zur Wohnraumanpassung (z.B. durch die Pflege- und Krankenkassen oder unterschiedlichster Sozialhilfeträger) und weitere finanzielle Hilfeangebote der öffentlichen Hand zu erschließen.

In einem weiteren Schritt würde ich zusammen mit der Politik darauf hinarbeiten:

  1. Bei der Ausweisung von neuen Baugebieten planungsrechtlich auch den Bau senioren- und behindertengerechter Wohnungen vorzusehen
  2. Beim Neubau von Mehrfamilienhäusern ab einer bestimmten Wohnungsanzahl einen Aufzug vorzusehen

Dies sind Maßnahmen im Hinblick auf die Veränderung des Wohnraumes in unserem Schermbeck. Es wird allein nicht ausreichen!

Es herrscht heute schon Fachkräftemangel im Pflegesektor. Der Bau von zusätzlichen vollstationären Einrichtungen wird die Einstellung von ca. 500 Vollzeitkräften nur im Kreis Wesel bis 2030 notwendig machen.

Wo sollen diese Fachkräfte herkommen frage ich Sie?

Es ist an der Zeit umzudenken!

Oftmals ist es nur ein kleiner Unfall, der am Ende zu einer Aufnahme in einem Pflegeheim führt. Warum, weil notwendige Einkäufe selbst nicht mehr erledigt werden können, durch fehlende Mobilität die sozialen Kontakte zum Erliegen kommen und am Ende der Lebensmut schwindet. Auch persönliche Schicksalsschläge sind der Grund dafür, dass ein Mensch vereinsamt und am Ende die Aufnahme in einem Pflegeheim steht.

Daher wird es immer wichtiger soziale Netzwerke, die sich zum Ziel gesetzt haben sich untereinander Hilfestellung zu geben, auf-, bzw. vorhandene weiter auszubauen.

Vor einigen Jahren hat unser heutiger Bürgermeister mit der Unterstützung der CDU das Projekt Nachbarschaftsberatung für Schermbeck ins Leben gerufen.  

Die ehrenamtlich tätigen Nachbarschaftsberater/-innen, so können Sie auch einem sehr interessanten Bericht „Nachbarschaftsberatung wird vorgestellt“ vom 07.März 2014 auf www.schermbeck-online.de entnehmen, sind lebenserfahrene, vielfältig ausgebildete und bodenständige Persönlichkeiten. Sie setzen sich  mit Engagement und Herz für die Belange ihrer Mitmenschen ein. Sie kommen auch nach Hause und beraten vor Ort unter anderem zu Themen wie Sicherheit im Eigenheim, Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung,  zu Pflegestufen und Barrierefreiheit.

Zahlreiche Beratungs- und Unterstützungsmaßnahmen werden in Kooperation mit den örtlichen Trägern angeboten. Sie gehen auf die Bedürfnisse der Senioren nach Kontakten und Gemeinsinn ein und fördern dies durch Beratungs- und Hilfsangebote, durch Informationen zu lokalen Angeboten bei Kirchen, Vereinen und Initiativen.

Eine weitere wichtige Aufgabe der Nachbarschaftsberater besteht darin, sich in der Nachbarschaft und der Gemeinde zu vernetzen und als unbürokratischer Ansprechpartner für Hilfesuchende aller Altersgruppen zur Verfügung zu stehen.

Dieses Projekt werde ich weiter mit vollem Engagement unterstützen. Genauso wie die Arbeit des Seniorenbeirates der Gemeinde Schermbeck, der sich unter anderem zum Ziel gesetzt hat, die allgemeinen Lebensbedingungen der Senioren und Seniorinnen in unserem Schermbeck dauerhaft zu verbessern.

Erinnern sie sich an meine Aussage zu den Kosten eines Heimpflegefalles in Schermbeck? Ohne Leistungen der Pflegeversicherung belaufen sie sich auf ca. 21.500 €/Jahr. Das Projekt Nachbarschaftsberatung ermöglicht heute schon vielen Menschen länger selbstbestimmt in den eigenen 4 Wänden leben zu können und uns allen, finanzielle Mittel anders sinnvoll einzusetzen.

Wir stehen gerade erst am Anfang, langsam wird uns bewusst, das ein Umdenken zum Wohle unserer gemeinsamen Zukunft notwendig ist.

Es kann uns alle treffen!

Daher lassen Sie uns dieser Herausforderung „Gemeinsam erfolgreich für Schermbeck“ stellen!

Ihr

Mike Rexforth