Wirtschaftsförderungskonzept für die Gemeinde Schermbeck

Die Frage, wie man sich die zukünftige Wirtschaftsförderung in Schermbeck vorstellt, ist viel komplexer, als man zunächst vermuten könnte, deshalb lässt sie sich auch nicht in einem Satz zusammengefasst beantworten.

Grundsätzlich gilt es zunächst festzuhalten, dass die Wirtschaftsförderung (WiFö) Einfluss auf vielfältige Verwaltungs-/Lebensbereiche nimmt. Es ist nicht ausreichend, lediglich die Fokussierung auf die gewerbliche Wirtschaft sowie den Einzelhandel in der Mittelstraße und den dazugehörigen Randlagen respektive den Ortsteilen zu legen. Vielmehr muss ein strategisches WiFö-Konzept erarbeitet werden, um die Gemeinde zukünftig optimal positionieren sowie Einfluss auf deren Entwicklung nehmen und steuern zu können. Getreu dem Motto „Chancen identifizieren, Potenziale nutzen!“.

Ausgehend von dieser Basis ist es erforderlich, dass sich die WiFö u. a. mit der planerischen Entwicklung der Gemeinde verknüpft bzw. abstimmt. Hierbei gilt es auch die demographische Entwicklung der Kommune zu berücksichtigen. Gleichfalls ist der kommunale Haushalt in Form der Einnahmen (u.a. Gewerbesteuer/Einkommenssteuer) und Ausgaben sowie der Verschuldung (Entwicklung der Verschuldung + Pro-Kopfverschuldung) zu betrachten. Das Leben & Wohnen in unserer Gemeinde hinsichtlich der Bautätigkeit (Baufertigstellungsquote / Bautätigkeit) + der Versorgungssituation (Kindertagesstätten / Betreuungseinrichtungen pro Schüler) + der Haushaltsgrößen sind Parameter, die von der WiFö erkannt und unter Berücksichtigung eines WiFö-Konzeptes und dessen Zielsetzung entsprechend in die politische und verwaltungsstrategische Arbeit eingepflegt werden müssen.

Darüber hinaus ist sowohl der Arbeitsmarkt, vereinfacht unterteilt in Erwerbspersonen/Arbeitslosigkeit sowie Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte (Alterstruktur, Beschäftigtenquote, Berufspendler, Arbeitsplatzzentralität, etc.) und Schulabgänge (unterschieden nach Schulformen), als auch der Tourismus als WiFö-Parameter zu beachten.

Es ist folglich nicht alleine mit einem wiederkehrenden monatlichen Unternehmerstammtisch getan, um eine zielführende Wirtschaftsförderung in unserer Gemeinde Schermbeck zu betreiben. Zunächst gilt es, eine Positionierung der Gemeinde Schermbeck vorzunehmen.

 

Erstellung eines Zukunftsprofil für die Gemeinde Schermbeck

  • Bestimmung der eigenen Stärken (sowohl der Gemeinde als auch der WiFö)

Welches sind die Stärken und Vorteile der WiFö unserer Gemeinde?

Welchen Stellenwert nimmt die WiFö in der Gemeinde Schermbeck ein?

Welche Potenziale bieten sich für die WiFö in der Gemeinde Schermbeck?

Welche Unternehmen sind in unserer Gemeinde tätig?

Wo steht unsere Gemeinde mit ihrer Wirtschaftsstruktur?

Wo steht unsere Gemeinde mit ihrer Attraktivität für Unternehmen?

Welche Flächen in den Bereichen Gewerbe, Industrie, Handel und Wohnen stehen in unserer Gemeinde aktuell, sofort verkaufbar und in guter Lage noch zur Verfügung?

Wie wird sich die Bevölkerungsentwicklung in unserer Gemeinde darstellen?

Welchen Bedarf an jungen Menschen sowie Fachkräften besteht konkret in unserer Gemeinde?

  • Bestimmung des Wettbewerbs

Wer sind die Wettbewerbsstandorte der Gemeinde Schermbeck?

Wo steht die Gemeinde Schermbeck im Standortwettbewerb?

Wie kann sich unsere Gemeinde gegenüber unseren Wettbewerbsstandorten positionieren? Marketing-> Gemeinde als Marke etablieren.

  • Bestimmung von Zielgruppen

Auf welche Zielgruppen fokussiert sich die WiFö der Gemeinde Schermbeck?

Welches sind die Zielbranchen/Zielunternehmen/Schlüsselkunden, auf die sich die WiFö der Gemeinde Schermbeck ausrichten soll?

Wer ist der Kunde?

Auf welcher Zielregion liegt das Hauptaugenmerk der WiFö der Gemeinde Schermbeck?

  • Bestimmung der Ziele

Welche Zielsetzung verfolgt die WiFö der Gemeinde Schermbeck?

Welche Aufgaben übernimmt die WiFö, um diese Ziele zu erfüllen?

Welche Zielvorstellungen bestehen seitens der WiFö für die Zukunft in der Gemeinde Schermbeck? Was biete ich dem Kunden?

  • Bestimmung der Handlungsschwerpunkte

Welche Handlungsschwerpunkte hat die WiFö der Gemeinde Schermbeck definiert?

Passen die Handlungsschwerpunkte zu den Stärken, Zielgruppen und Zielen der WiFö der Gemeinde Schermbeck?

Welche Aufgabenbereiche der WiFö sind aus diesen Handlungsschwerpunkten abzuleiten?

Erfolgreiches Marketing bedarf einer klaren Positionierung und Profilierung der Gemeinde als Marke.

 

Basierend auf diesem Fragenkatalog sollte ein WiFö-Konzept erarbeitet werden. Wenn ich weiß, wer meine Player  am Ort sind, welche Zielgruppe ich zukünftig ansprechen will und weiß, wo meine Stärken als Kommune liegen, dann kann ich die passenden Instrumente einsetzen, um die Gemeinde erfolgreich im Wettbewerb um Firmen, Einwohner und monetäre Mittel zu positionieren.

Um die Gemeinde als Marke zu positionieren, ist eine gemeinschaftliche Umsetzung der verschiedensten Fachbereiche innerhalb der Verwaltung, der Politik und der ortsansässigen Unternehmen notwendig. Wichtige Bausteine für einen solchen Entwicklungsprozess sind:

  • Integrierte Gemeindeentwicklungskonzepte
  • Kommunale Einzelhandelskonzepte
  • Zusammenlegung von Gemeinde- u Tourismusmarketing, ggf. mit der Wirtschaftsförderung
  • Integrierte Innenstadtentwicklungskonzepte

 

Instrumente der Wirtschaftsförderung

  • Die Erweiterung des Gewerbegebietes um eine Fläche von ca. 50.000 Quadratmetern voranzutreiben, hier zusätzliche Arbeits- u. Ausbildungsstellen zu schaffen.
  • Regelmäßig wiederkehrende Unternehmer-Stammtische/Unternehmerfrühstück. Hierzu aktuelle Themen, bspw. Unternehmensnachfolge, Fachkräfte, betriebliches Gesundheitsmanagement, anbieten.
  • Mailings an die Schermbecker Unternehmen zu aktuellen Themen, Messen, Fachbeiträgen.
  • Förderung des Breitbandnetzausbaus
  • Infrastrukturmaßnahmen fördern
  • Ausreichende Anzahl an geeigneten unbebauten Gewerbegrundstücken vorhalten
  • Es ist ein Lotse in der Verwaltung als Ansprechpartner für alle Unternehmerfragen zu installieren. Für Fragen jeglicher Art sollen die Unternehmer nur einen Ansprechpartner (im besten Fall der Wirtschaftsförderer) haben. Dadurch werden kurze Wege generiert. Darüber hinaus ist ein Controlling möglich, ob die Fragen beantwortet wurden und falls nein, warum nicht bzw. falls ja, innerhalb welcher Zeit und waren die Antworten zufriedenstellend. Den Unternehmer interessiert es nicht, wer der richtige Ansprechpartner in der Gemeindeverwaltung ist und wie sein Problem gelöst werden kann. In der Regel hat er das primäre Interesse seinen Gewinn zu steigern und sein Unternehmen erfolgreich und ohne Beeinträchtigungen führen zu können. Der Unternehmer soll sich auf seine Kernaufgaben konzentrieren können. Der Lotse kümmert sich um die „Probleme“ mit der Verwaltung.
  • Enge Zusammenarbeit mit der WiFö des Kreises Wesel. Hierdurch können Netzwerke mit anderen Kommunen entstehen, die u. a. für Best Practice Lösungen genutzt werden können. Möglicherweise ergeben sich auch Win-Win-Situationen, in dem zwei Unternehmen zusammengeführt werden können, die sich bisher nicht kannten.
  • Regelmäßig wiederkehrend ist eine Gewerbeschau / ein Gewerbemarkt durchzuführen. Hier können sich Unternehmen positionieren und sich der Bevölkerung zeigen. Ein Gewerbemarkt hat mehrere positive Effekte. Stärkere Bindung der Arbeitnehmer an das Unternehmen, wenn sie am Tag der offenen Tür ihren Verwandten/Freunden zeigen können, wo sie arbeiten und was sie dort für Tätigkeiten verrichten. Das Unternehmen erlangt einen höheren Bekanntheitsgrad. Der Gewerbemarkt könnte nicht nur für das gesamte Industriegebiet durchgeführt werden, sondern beispielsweise auch für einzelne Branchen (Handwerkliche Unternehmen) durchgeführt werden.
  • Zusammenarbeit mit den angrenzenden Universitäten/Fachhochschulen, um beispielsweise die Vermarktung der Stärken Schermbecks zu fördern. Dieses vor dem Hintergrund des Standortwettbewerbs um qualifizierte Mitarbeiter, Familien, Unternehmer und Touristen zu gewinnen. Und vor dem Stichwort „Wissenstransfer“.
  • Bevorratung mit landwirtschaftlichen Flächen zum Zwecke des Flächentausches, um das Gewerbegebiet zu erweitern
  • Regelmäßiger Unternehmensbesuch des Bürgermeisters gemeinsam mit dem Wirtschaftsförderer. Stichwort „Bestandspflege“.
  • Leerstehende Bestandsimmobilien sind zu erfassen und gemeinsam mit den ortsansässigen Maklern/Banken wieder dem Markt zu zuführen.
  • Visionen zulassen! -> D.h. gibt es Betriebe, die regenerative Energie nutzen bzw. gemeinsam nutzen können? Ist der Betrieb eines Blockheizkraftwerkes für mehrere Betriebe wirtschaftlich? Ist es möglich z.B. Strom, etc., durch einen Betrieb für mehrere Betriebe einzukaufen, um günstigere Preise zu erzielen. Kann Abwärme eines Betriebes von einem Nachbarbetrieb genutzt werden?
  • Grds. Vernetzung von lokaler Wirtschaft und der Kommune zu einem Netzwerk. Diskussion mit den Unternehmer vor Ort über die Auswirkung der demographischen und strukturellen Veränderungen. Gemeinsamer Beschluss von Prioritäten, die auch gemeinsam umgesetzt werden und den regionalen Standort konzeptionell stärken.
  • Vernetzung der Gemeinde Schermbeck mit der Region, um eine ganzheitliche Betrachtung der Makro- und Mikroebene in der Entwicklung (innen) als auch im Marketing (außen) zu erzielen und verschiedenste Handlungsträger ins Boot zu holen. Stichwort „Standortmarketing“
  • Verdichtung und Konversion von Flächen, statt ständig neue Flächen zu erschließen. Stichwort: „Nachhaltiges Flächenmanagement“. Jedoch sind auch ständig unbebaute Gewerbeflächen vorzuhalten und deren Vermarktung zu betreiben.

 

Sie sehen, Wirtschaftsförderung ist ein komplexes Thema mit vielen Chancen für unsere Gemeinde Schermbeck. Die Unternehmer hier in Schermbeck sichern uns ein großes Maß an finanzieller Unabhängigkeit, lassen Sie uns gemeinsam die Zukunft unserer Unternehmen zum Wohle Schermbecks sichern.

Ihr Mike Rexforth